So lernt ein aufgeregter Hund Ruhe & Entspannung

Immer wieder erreichen mich Nachrichten von anderen Hundehaltern, deren Hunde auch sehr aufgeregt sind bzw. so erscheinen. Oftmals ist die Verzweifelung bei dem Mensch-Hund-Team groß und sie wissen nicht so richtig, wie sie mit dem Hund noch umgehen sollen. Von manchen Hundetrainern haben sie entweder die Antwort erhalten, dass sich das im Lauf der Zeit „verwächst“ oder dass sie den Hund nicht ausreichend auslasten.

Auch wir haben solche Ratschläge schon bekommen, die uns jedoch nicht wirklich weitergeholfen haben. Als wir Loki damals im Alter von 5 Wochen das erste Mal gesehen hatten, war er rückblickend bereits sehr überdreht und aufgeregt. Da hatte er noch gar nicht bei uns gelebt und war noch bei seiner Züchterin. Ich vermute, dass diese Aufregung bei ihm durch die Haltung dort geprägt wurde. Seine Wurfgeschwister und er wurden mit einem etwas älteren Wurf zusammengehalten, welche die Kleineren ganz schön „gemobbt“ hatten. Außerdem hatte seine Mutter damals auf uns einen sehr nervösen Eindruck gemacht. Als Ersthundehalter hatten wir leider noch keinen Schimmer, was das für Folgen für die Hundepsyche haben könnte.

Wie wir mit Loki’s Aufgeregtheit mittlerweile umgehen und wie wir ihm helfen Ruhe zu lernen, liest du jetzt! [Info: Der Beitrag enthält Werbung, da Marken genannt werden oder sichtbar sind.]

Warum Schlaf so wichtig ist

schlafender Hund im KörbchenWelpen und Junghunde sind häufig impulsiver und unruhiger als erwachsene Hunde. Meiner Meinung nach ist das auch bis zu einem gewissen Grad völlig normal, da es quasi noch „Hundekinder“ sind. Und ja, diese müssen oft erst Ruhe lernen. Die gute Nachricht: Das können wir ihnen beibringen oder sie schauen es sich von einem älteren, souveränen Hund ab, sollte dieser im gleichen Familienverband leben. Und ja, besonders junge Hunde brauchen noch extrem viel Schlaf bzw. Zeiten, in denen sie vor sich hin dösen können. Im Schlaf regeneriert sich der Hundekörper und das Gelernte wird verarbeitet, also ähnlich wie bei uns Menschen.

Wenn die Nerven (draußen) blank liegen

Gerade bei starken Allergieschüben schläft Loki sehr schlecht und wacht nachts immer wieder auf. Der Juckreiz ist dann so stark, dass er regelrecht aus dem Schlaf aufschreckt und sich richtig heftig nagt und juckt. Oftmals hat er durch die Allergie und den Schlafmangel dann auch stark gerötete Augen und ist drinnen leicht schreckhaft. Draußen ist er dann noch viel extremer als sonst: Das heißt, er hat null Geduld und Impulskontrolle und steigert sich dann schnell in sein Fiepen und Jammern rein. Er kann sich überhaupt nicht mehr konzentrieren, ist kaum noch ansprechbar und lässt sich von jeden Reiz ablenken. Außerdem ist sein Körper unter einer enormen Anspannung und er schaut sich alarmiert um. In letzter Zeit hat unser Hund sogar angefangen draußen zu zittern, weil er so angespannt war. Nach einer solchen Gassirunde fällt Loki dann oben an der Haustür quasi in sich zusammen und ist so kaputt, dass er sich wieder hinlegt und schläft.

Erste Hilfe: So kannst du deinen Hund draußen beruhigen

Was bei Loki ganz viel ausmacht ist meine eigene Haltung. Wenn ich abgehetzt und gestresst nach Hause komme, dann wird unser Spaziergang auch so sein. Daher versuche ich kurz vorher noch mal in mich zu gehen und tief durchzuatmen. Zieht er dann trotzdem wie bekloppt und will seinen Kopf durchsetzen, korrigiere ich ihn verbal oder körpersprachlich. Manchmal bringen uns diese Korrekturen aber nicht mehr weiter, auch wenn sie schon eine entsprechende Intensität haben. Meistens ist das zu Zeiten, wo draußen viel los ist und ganz viele Reize (Fußgänger, Kinder, Katzen, andere Hunde, Autos, Baulärm, etc.) ihn überfordern.

Dann versuche ich nicht frustriert zu werden, sondern ruhig und verständnisvoll zu bleiben. Das ist echt schwer, gerade wenn mich andere Leute „verurteilend“ oder befremdlich anschauen. Aber der Loki ist dann wie ein Zappelkind und kann in diesem Moment einfach nicht anders. Ich mache dann immer wieder kleine Pausen, in denen er sich hinsetzen und durchatmen soll. Dafür gehen wir etwas zur Seite oder suchen uns eine ruhige Ecke. Manchmal beruhigt es ihn auch, wenn ich ihn mit kreisenden Bewegungen an der Brust streichele und sein Entspannungssignal sage (dazu später mehr). Außerdem dehnen wir an solchen Tagen die Runden im Wohngebiet nicht allzu sehr aus, sondern machen lieber Zuhause etwas Kopfarbeit oder fahren irgendwo hin, wo es ruhiger ist.

So lernt dein Hund Ruhe und Entspannung

An solchen Tagen wie oben beschrieben achte ich besonders darauf, dass er Ruhe und Entspannung findet. Mehr Schlaf ist bei uns also die erste Stellschraube. Doch auch Loki fällt das nicht immer leicht. Kommt dir das auch bekannt vor? Dann schaue dir mal den Schlafplatz von deinem Hund genauer an. Dieser sollte nicht an einem Durchgang liegen wo viel Fußverkehr ist, sondern eher in einer ruhigen Ecke. Viele Hunde mögen auch höhlenartige Schlafplätze, wie Boxen. Oftmals müssen sie aber an eine Hundebox erst gewöhnt werden, damit sie diese auch mit Entspannung verknüpfen.

Boxentraining

schlafender Hund in BoxAm einfachsten ist es, wenn der Hund von Klein auf an eine Hundebox gewöhnt wurde. Aber auch ältere Hunde können das lernen. Im jeden Fall gehst du am besten sehr kleinschrittig vor:

  1. Die Box in der Anfangszeit einfach offen hinstellen und nicht groß beachten.
  2. Nach ein paar Tagen kannst du dort immer mal was Leckeres oder ein neues Spielzeug reinlegen, so dass dein Hund neugierig wird. Bei manchen Tieren hat sich auch getragene Wäsche bewehrt.
  3. Du kannst ihn nach einiger Zeit auch in der Box füttern – oder um diese noch spannender zu machen – den vollen Napf reinstellen und dann die Tür der Box zu machen.
  4. Geht der Hund irgendwann von alleine rein, solltest du das mit einem Clicker oder verbalen Lob markieren.
  5. Irgendwann kannst du auch das verbale Kommando für die Box nennen, wenn dein Hund gerade von sich aus in diese geht. Bis das verbale Kommando mit der Aktion verknüpft wird, bedarf es aber viele Wiederholungen.
  6. Nach und nach kannst du die Boxen auch schließen, wenn der Hund drin ist. Aber gehe auch bei diesem Schritt sehr vorsichtig vor. Schließe die Box anfangs nur für ein paar Sekunden, dann machst du sie sofort wieder auf. Irgendwann kannst du die Zeitdauer stetig erhöhen, während dein Hund in der Box mit einem Kong oder Ähnlichem beschäftigt ist oder gar döst.

Achte bitte darauf, dass die Box groß genug ist und eine gute Luftzirkulation hat. Selbstverständlich sollte die Box in erster Linie ein offener Rückzugsort sein und der Hund sollte nicht über viele Stunden in einer verschlossenen Box liegen müssen. Gerade im Sommer sollte der Hund in der Box auch Wasser haben. Welche Boxen bei uns im Einsatz sind bzw. waren, kannst du in unseren FAQs nachlesen.

Kontrollierendes Verhalten unterbinden

Wenn dein Hund dir auf Schritt und Tritt folgt, muss das nicht unbedingt etwas mit Liebe und Folgsamkeit zu tun haben. Vermutlich ist dein Hund auch so ein Kontrolletti wie Loki und will dich kontrollieren, weil er sich (in diesem Moment oder generell) verantwortlich für dich fühlt. Das hindert den Hund allerdings daran zu entspannen und sollte, besonders wenn es zu viel wird, konsequent unterbunden werden. Ich schicke Loki dann immer wieder auf seinen Platz zurück. Früher hat er das sehr oft hinterfragt und da musste ich wirklich hartnäckig bleiben. Besonders gut geholfen hat es ihn in solchen Momenten an seinem Platz anzuleinen. Dann ist er  immer innerhalb weniger Minuten eingeschlafen.

Entspannung konditionieren

Labrador mit RelaxopetDu kannst deinen Hund auch auf Entspannung konditionieren. Zum Beispiel über:

  • eine Massage (Tellington-TTouch soll da klasse für sein)
  • eine Entspannungsmusik für Hunde (gibt es z.B. über Youtube/Spotify oder mit Hilfe des Relaxopet*, den wir auch nutzen. Die Musik spielst du am besten immer ab, wenn dein Hund sowieso gerade ruht. Es hilft, wenn du dich ebenfalls entspannst und in die Nähe des Hundes setzt. Wenn er es mag, kannst du ihn gerne dabei streicheln.
  • ein Entspannungssignal, das ein Wort sein kann. Dieses sagst du immer wieder mit ruhig, wenn der Hund eh gerade entspannt. Das Signal sollte regelmäßig „aufgeladen“ bzw. wiederholt werden.
  • ein Entspannungsduft, wie zum Beispiel Lavendel. Es gibt mittlerweile auch spezielle Beruhigungssprays für’s Körbchen* oder Halstuch. Bitte setze diesen sorgsam ein, denn es gibt viele Hunde, die das aufgrund ihrer feinen Nase nicht mögen.

Deckentraining

Hund auf DeckeDeckentraining ist ebenfalls ein wertvolles Tool für mehr Entspannung im Hundealltag. Du kannst dabei gerne einen Clicker verwenden. Die Decke dient als räumliche Begrenzung des Hundes und er lernt, dass er auf dieser Sendepause hat. Richtig aufgebaut kann die Decke dem Hund somit auch an ungewohnten Orten helfen sich schneller wieder zu beruhigen. Dafür musst du aber wieder sehr konsequent bleiben.

CBD-Öl oder Bachblüten-Tropfen können auch helfen

Bei starken Allergieschüben bekommt dann Loki wieder eine halbe Tablette von seinem Medikament und ich gebe ihm abends noch ein paar Tropfen von dem CBD-Öl oder seinen Rescue-Tropfen. Besonders das CBD-Öl ist bei uns seit Silvester im Einsatz und hat bei Herrn Labrador einen recht guten Beruhigungseffekt. Wir hatten in der Vergangenheit auch schon Adaptil-Halsbänder, Globulis und Zylkene Pulver ausprobiert, aber diese hatten bei Loki fast keine Wirkung gezeigt.

Weitere Tipps zum Umgang mit einem aufgeregten Hund sowie Tipps für mehr Ruhe findest du ebenfalls auf unserem Blog.

Auslastung

Schwarzer Hund am KanalNeben Entspannung und ausreichend Schlaf ist auch das richtige Maß an körperlicher und geistiger Auslastung ein wichtiger Schlüssel für einen ausgeglichenen Hund. Erst wenn diese Bedürfnisse befriedigt wurden, kann der Hund überhaupt Entspannung finden. Wie sehr ein Hund ausgelastet werden muss, ist von verschiedenen Faktoren abhängig – Rasse, Alter, Energieniveau und die Gesundheit. Idealerweise beschäftigst du deinen Hund auch, wie es für seine Rasse typisch wäre. Kopfarbeit solltest du dabei auch nicht vernachlässigen, gerade bei jungen Hunden.

Mit Loki mache ich gerne Tricktraining mit einem Clicker, (Dummy-) Suchspiele oder wir üben Unterordnung.

Ist dein Hund gesund?

Manchmal gibt es Hunde, bei denen dieses Management nichts bringt. Spätestens dann solltest du deinen Hund gründlich von einem Tierarzt durchchecken lassen. Oft liegen in solchen Fällen körperliche Ursachen vor, wie Schmerzen oder Probleme mit der Schilddrüse, die behandelt werden müssen.

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