Welche Weisheiten zum Thema Hund bereits überholt sind (Anzeige)

|Info: Dieser Beitrag enthält Werbung. Das Buch „Der Hund“ wurde mir freundlicherweise für eine Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt. Die hier abgebildete Meinung ist allerdings meine eigene.|

„Jeder ist anscheinend ein Hunde-Experte – selbst Nicht-Hundehalter zählen sich dazu.“ (aus „Der Hund. Geschichte, Biologie, Rassen.“, Ádám Miklós (Hrsg.), S- 6.). Hast du dir das auch schon mal gedacht, als dir ein Nachbar/Kollege/Familienmitglied „gut gemeinte“ Ratschläge zu deinem Vierbeiner geben wollte? Ich habe mich auf jeden Fall schon öfters in dieser Situation befunden. Oftmals sind solche geistigen Ergüsse nicht nur veraltet, sondern schlichtweg falsch. Daher finde ich es wichtig, sich selbst zu informieren. Doch das muss nicht bei Ratgebern zu Lifehacks oder Hundeerziehung aufhören.

Das Buch „Der Hund. Geschichte, Biologie, Rassen.“ erklärt nicht nur den Ursprung von Hunden, sondern beinhaltet auch viele neue Forschungserkenntnisse rund um den geliebten Vierbeiner. Beispielsweise warum die Dominanz/Alpha-Theorie überholt ist, ob Welpentests sinnvoll sind und wie man sich (fremden) Hunden richtig nähert. Ein Muss also für alle, die noch mehr zum Thema „Hund“ wissen möchten. Aber ist das wirklich so? Wir haben es für dich herausgefunden und „Der Hund“ von Ádám Miklós gelesen. 

Der Hund. Geschichte, Biologie, Rassen

schwarzer Hund mit Buch

Wer sich einen guten Überblick über den heutigen Forschungsstand zum Thema „Hund“ anlesen mag, ist bei diesem Buch des Haupt Verlages richtig aufgehoben. Es ist zwar ein Fachbuch, welches von dem Kynologie-Verhaltensforscher Ádám Miklós zusammen mehreren Experten zusammengestellt wurde. Allerdings ist es überhaupt nicht trocken, sondern eher sehr anschaulich und leicht verständlich geschrieben. Besonders gefallen haben mir die vielen Bilder und liebevollen Illustrationen, die das Buch auflockern. Jede Seite ist somit etwas anders aufgebaut und man wird als Leser nicht von einer Wand voller Text erschlagen.

Das über 200-Seiten-starke Hundebuch behandelt nahezu jedes erdenkliche Thema:

  • Evolution und Ökologie (mit besonderem Augenmerk auf den Wolf, was ich sehr interessant fand)
  • Anatomie und Biologie (wie sehen, hören und schmecken Hunde?)
  • Verhalten und Sozialleben (Vom Welpen zum Seniorhund, Territorialverhalten, Hierarchie)
  • Sensorische Wahrnehmung, Denken und Persönlichkeit (wie Hunde lernen, auch sehr interessant!)
  • Hunde und Menschen (Hunde als Helfer, Zuchtfehler und Verhaltensauffälligkeiten)

Zum Schluss werden verschiedene, beliebte Hunderassen kurz vorgestellt und im Anhang findest du weiterführende Literatur, falls du noch weiter in die Materie einsteigen willst.

Was mir besonders gut gefallen hat

Hund Loki mit Buch und Kürbissen

Ich will dir jetzt nicht ganze Buch herunter beten, sondern dir nun die Stellen des Buches „Der Hund. Geschichte, Biologie, Rassen.“ kurz vorstellen, die mir besonders gut gefallen haben:

Dominanz und der Mythos des „Alpha“

In dem Abschnitt „Ein guter Anführer“ wird über den mittlerweile total überholten Mythos des „Alphas“ aufgeklärt. Diese Diskussion hatte ich erst letztens mit einem Kollegen, welcher der Meinung war, dass Loki uns dominieren würde. Kurz zusammengefasst: Wir waren in einem fremden Garten mit Katzen und kleinen Kindern und Loki hatte große Schwierigkeiten abzuschalten. Nicht Loki’s Aufgeregtheit in fremden Umgebungen/Situationen und seine Schwierigkeit Frust und Impulse auszuhalten waren „Schuld“ daran, sondern seine Dominanz uns gegenüber. Ist klar, oder?

Fakt ist nach neuen Forschungserkenntnissen: Hunde brauchen jemanden, an dem sie sich orientieren können und der die Führung übernimmt. Wenn sie das nicht bekommen, übernehmen sie die „Führung“, was sich dann oft in Problemverhalten äußert. Doch muss ich deshalb „dominant“ sein und den Hund auf den Boden drücken oder anbrüllen, wenn er nicht gehorcht? Mit Sicherheit nicht! Statt einer dominanzgeprägten Hierarchie bildet der Mensch mit dem Vierbeiner einen Sozialverband, bei dem der Mensch die Führung (gewaltfrei) übernehmen sollte und muss.

Hunde richtig begrüßen

Wie man sich einem Hund richtig nähert, sollte schon Kindern beigebracht werden. Und das unabhängig davon, ob sich ein Hund im Haushalt befindet oder nicht. Zu oft habe ich es schon erlebt, dass fremde Kinder von hinten angeschossen kamen und Loki ungefragt streicheln wollten. Oftmals waren die dazugehörige Eltern nicht schnell genug oder hatten nicht mal mitbekommen, in welche Gefahr sich ihr Nachwuchs begibt. Denn nicht jeder Hund will gestreichelt werden und/oder kommt mit der Impulsivität von Kindern klar.

  1. Zuerst sollte vorab IMMER die Erlaubnis des Halters eingeholt werden. Egal, ob es sich um ein Kind oder einen Erwachsenen handelt (denn Letztere sind gerade bei Welpen der Meinung den ungefragt streicheln zu dürfen.)
  2. Den Hund nicht direkt in die Augen schauen und frontal auf ihn zu gehen oder sich über ihn beugen. All das wirkt bedrohlich.
  3. Stattdessen sollte man den Hund nicht anschauen und sich seitlich stellen. Der Hund hat so die Möglichkeit selber zu entscheiden und den Menschen erst einmal in Ruhe zu beschnuppern.
  4. Nicht über den Kopf streicheln! Stattdessen mögen es Hunde unter dem Kinn, am Hals oder Vorderkörper angefasst zu werden. Und das bitte nicht zu grob oder zu schnell!

Welpentests sind wissenschaftlich nicht fundiert

Welpentests sind etwas, was ich schon im Fernsehen bei sogenannten Hundeexperten gesehen habe. Da wird beispielsweise getestet wie der Welpe reagiert, wenn man ihn an eine Tischkante setzt oder der Welpe wird auf den Rücken gelegt und festgehalten. Solche „Tests“ sollen Aufschluss über den Charakter des Hundes geben. Die Wissenschaft kann jedoch nicht zweifelsfrei belegen, dass diese Tests zuverlässig sind. Bei bestimmten Rassen, wie zum Beispiel dem Border Collie, sollen die Vorhersagewerte von Welpentests sogar nur minimal gewesen sein.

Hunde als Helfer

Gleich mehrere Abschnitte des Buches „Der Hund. Geschichte, Biologie, Rassen.“ beschäftigen sich mit dem Thema, wie Hunde Menschen helfen können. Besonders gefreut hat es mich, dass hier auch die Arbeit von Assistenzhunden erwähnt wurde. Hierbei werden auch Autismus- oder Epilepsiehunde vorgestellt, die Menschen mit solchen Erkrankungen das Leben erleichtern. Außerdem wird zusammengefasst, wie ein Welpe zu einem Assistenzhund ausgebildet wird und wie lange so etwas dauern kann.

Lohnt sich das Buch und wenn ja für wen?

Buch zum Hund

Zusammenfassend kann ich das Buch „Der Hund. Geschichte, Biologie, Rassen.“ von Ádám Miklós jedem ans Herz legen, der sich noch mehr zum Thema Hund belesen möchte. Es ist zwar ein umfassendes Fachbuch, aber keinesfalls trocken oder langweilig geschrieben. Ich denke, dass vor allem Ersthundehalter davon profitieren können, da das Buch sehr viele relevante Themen (wie z.B. Training, Hundeleben in der Stadt vs. Land) abdeckt.

Weitere Infos:

224 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen,
gebunden, CHF 37.00 (UVP) / EUR 29.90
ISBN 978-3-258-08045-1
Haupt Verlag
Erscheinungstermin: 10. September 2018

Die Co-Autoren des Buches sind übrigens Tamás Faragó, Claudia Fugazza, Márta Gácsi, Enikõ Kubinyi, Péter Pongrácz und József Topál. Sie sind Wissenschaftler und Experten für Hundeverhalten im Family Dog Project. Noch mehr Informationen zum Buch findest du hier.

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