Unser Tipp gegen Leinenfrust bei Hundebegegnungen

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Erst einmal ein großes SORRY für unsere lange Abwesenheit! Die Planung unserer Hochzeitsfeier sowie andere private und berufliche Verpflichtungen haben uns die letzten Wochen ganz schön in Atem gehalten. Noch dazu kämpfen wir immer noch mit Loki’s Allergie und mussten vergangene Woche mitten in die Nacht in die Tierklinik, weil er nicht mehr sitzen oder liegen konnte. Offenbar wurde dies durch heftige Blähungen verursacht. Kein schöner Start in seinen 2. Geburtstag vergangenen Montag. Aber die Geburtstagstorte holen wir nach 🙂 Und nun aber zum Thema Leinenfrust – wie sich das bei Loki geäußert hat und wie wir es in den Griff bekommen bzw. daran arbeiten.

Disclaimer: Ich teile mit euch nur unsere Erfahrungen und bin keine zertifizierte Hundetrainerin!

Was ist Leinenfrust und wie hat sich das bei Loki geäußert

schwarzer Labrador an der Leine

Oftmals hört man von der Leinenaggression, aber auch Leinenfrust kann vorkommen. Das bedeutet, dass der Hund an der Leine keine Aggression, sondern Frust zeigt. Dies passiert, weil der Hund durch die Leine in seiner Bewegung eingeschränkt ist und nicht oder nur schwer zum interessanten Reiz kommt. Bei Loki setzte der Leinenfrust ungefähr im Alter von ungefähr einem Jahr ein, als er in die Pubertät kam. Früher wollte er jeden Hund begrüßen und mit ihm spielen. Da wir nie gelernt haben das zu unterbinden oder umzulenken, hatte er viel zu oft Erfolg damit uns zu anderen Hunden zu ziehen. Oft legte er sich einfach flach auf den Boden und wartete bis der andere Hund ungefähr auf seiner Höhe war. Dann preschte er vor und machte wilde Spielaufforderungen. In der Hundewelt ist das ein ziemlich unhöfliches Verhalten, aber trotz einiger Korrekturen durch andere Hunde konnte Loki diese Aufgeregtheit nicht ablegen. Zu dem kam dazu, dass ich seit der Beißattacke vor unserem Haus Angst vor anderen Hunden hatte und mich daher nur schwer überwinden konnte regelmäßig auf die Hundewiese zu gehen. Mittlerweile meiden wir diese auch eher und Hundebegegnungen ergeben sich dann einfach auf Spaziergängen und viel kontrollierter.

In der Pubertät veränderte sich allerdings sein Verhalten anderen Hunden gegenüber. Er war bzw. ist weiterhin unsicher anderen Hunden gegenüber, aber das sexuelle Interesse (oder „Konkurrenzdenken“) war wichtiger als Spielen. Wo er bei Rüden eher alarmiert war, konnte er sich bei Hündinnen nicht mehr beherrschen. In ganz schlimmen Tagen zog er wie ein Stier zur Hundedame und wenn er nicht weiterkam fing er an zu fiepen, jammern und letztendlich schrill zu bellen. Er war in solchen Momenten überhaupt nicht mehr ansprechbar und ich war völlig Luft. Mir war das nicht nur unendlich peinlich, sondern ich habe mich völlig überfordert und hilflos gefühlt. Das ging sogar so weit, dass ich vor jeder Gassirunde Angst hatte und am liebsten nur noch mit meinem Mann gegangen wäre. Ich habe es mit Leckerlies versucht (war ihm egal), ich habe ihn geblockt und nach hinten gedrängt (hat ihn nicht beeindruckt), verbal und körperlich korrigiert (wie man es bei bestimmten Hundetrainerin im Fernsehen sieht) – das alles hat ihn nicht interessiert. Im Gegenteil – es hat Loki noch weiter gepusht.

Hilflose Hundetrainer

Frau mit schwarzen Labrador am Strand Leinenfrust

Was tut man in so einem Fall? Man holt sich professionelle Hilfe. Zuerst machte ich einen Termin mit unserer alten Hundetrainerin aus der Welpenschule. Sie wollte sich ausgerechnet an einer Hundewiese treffen und ich konnte Loki wieder kaum halten. Sich dabei noch auszutauschen war echt ein Ding der Unmöglichkeit. Sie empfahl sofort ihn kastrieren zu lassen, was ich zu dem Zeitpunkt gar nicht wollte. Andere Hilfestellungen zum Thema Leinenfrust konnte sie mir nicht geben. Wenn er so „austickte“ sollte ich ihn halt halten und abwarten. Du kannst dir vorstellen, dass das für mich keine Lösung war. Ansonsten hatte sie mit mir noch über Entspannungssignale gesprochen, an denen ich aber schon dran war. Beispielsweise versuche ich ihm das Entspannungswort „Ruhig“ beizubringen. Eine weitere Methode war die Konditionierung auf eine bestimmte Melodie. Zudem empfahl die Hundetrainerin eine Dufttherapie mit Lavendel. Das ist zwar schön und gut, aber es hat uns leider nicht weitergeholfen.

Daher wechselten wir zu einer anderen Hundetrainerin mit der wir uns auch in einem Park trafen. Diese meinte ebenfalls, dass wir Loki kastrieren sollen, da er sei. Außerdem empfahl sie uns unsere Gassizeiten etwas zu reduzieren und mit ihm Impulskontrolle zu üben. An sich kein schlechte Herangehensweise. Aber auf meine Frage hin was ich tun soll, wenn er so austickt meinte sie nur, dass man halt mit dem Hund an Orte fährt, wo niemand ist. Das macht sie mit ihrer Hündin, die aggressiv auf andere Hunde reagiert auch so. Für mich kam das nicht in Frage, da ich nicht drei bis vier Mal am Tag mit ihm raus aus der Stadt fahren kann und selbst in ländlichen Gebieten trifft man auf Hunde! Leider konnte uns auch diese Hundetrainerin nicht helfen.

Und nun?

Mittlerweile war Loki etwas mehr als anderthalb Jahre alt. Wir hatten Tage, an denen sich seine Leinenfrust bedingten Ausraster in Grenzen hielten und er sich einfach nur im „Hormon-Tunnel“ befand, wo er einfach nur von einer Duftstelle zur nächsten eilte um Urin aufzulecken oder zu markieren. Aber dann gab es auch Tage, wo er mich mit aller Kraft zu einer (wahrscheinlich läufigen) Hündin zog und ich dabei fast mit einer Straßenlaterne kollidierte. Und wie er dabei geschrien hatte! Als ob er gleich sterben würde! Zugegeben in solchen Momenten hätte ich am liebsten die Leine losgelassen und wäre einfach gegangen. Aber das geht natürlich nicht. Und so versucht man mit letzter Kraft und kurz vorm Nervenkollaps den Hund in Richtung Auto zu bewegen um nach Hause zu fahren.

Irgendwann entdeckte ich dann Grisha Stewart und ihr BAT-Trainingsansatz*. BAT steht für Behaviour Adjustment Training und wird eigentlich bei Hunden eingesetzt, die eine Leinenaggression zeigen. Hierbei versucht man die individuelle Grenze des Hundes (Individualdistanz) herauszufinden, ab der er das unerwünschte Verhalten zeigt. Man versucht diese Grenze nicht zu überschreiten, aber den Hund trotzdem mit dem Reiz zu konfrontieren. Wichtig ist es, dass der Hund seine Grenze nicht überschreitet und entspannt bleibt. Hierbei muss sich der Halter sehr stark am Hund orientieren und ihm – dank einer langen Lange am Geschirr – auch die nötigen Freiheiten zum Ausweichen bieten. Mehr Infos zu dieser tollen und stressfreien Trainingsmethode findet ihr hier.

Was uns wirklich geholfen hat: B.A.T. und viel Geduld

BAT Training schwarzer Labrador

Diese Methode habe ich über Monate (!) bei Loki aufgebaut um ihm ein Alternativverhalten für seinen Leinenfrust beizubringen. Es hat wirklich lange gedauert bis sich erste Erfolge gezeigt haben und so richtig konnte er das Gelernte erst anwenden, als er im Dezember letzten Jahres kastriert wurde. Und so habe ich das aufgebaut:

Das Training in den normalen Gassigängen um den Block aufzubauen habe ich gleich verworfen. Erstens ist die Hundedichte hier hoch und Zweitens kann man anderen Hunden nur schwierig ausweichen um die (zu Beginn recht große) Individualdistanz zu erreichen. Stattdessen habe ich regelmäßig Trainingsausflüge mit ihm gemacht, beispielsweise zu einem Park mit hohem Hundeaufkommen. So weit weg wie möglich habe ich dann angefangen: Hat er den anderen Hund gesehen und blieb ruhig habe ich ein Markerwort gesagt und ihn belohnt. Ganz wichtig: Es müssen richtig tolle Leckerchen sein (oder das Lieblingsspieli, je nachdem was den Hund am besten motiviert). Und ebenfalls wichtig: Ich werfe das Leckerli etwas weiter weg auf den Boden, so dass der Hund seinen Kopf nach unten nimmt und nach dem Leckerchen schnuppern muss. Alleine diese veränderte Körperhaltung beruhigt den aufgeregten Hund ungemein! 

Die ersten Erfolge

Leinenfrust bei Hundebegegnungen Pin

Am Anfang musste ich echt lange auf den Moment warten, wo sich Loki zu mir umgedreht und damit umorientiert hatte. Manchmal konnte er es gar nicht und fixierte den anderen Hund. Das war für mich ein Zeichen, dass die Distanz nicht stimmte. Wir haben das wirklich lange geübt, auch an anderen Orten und zum Schluss auch auf unseren täglichen Runden im Wohngebiet. Irgendwann hat er das tatsächlich verknüpft und sich von alleine zum mir umgedreht. Das war wirklich unglaublich und ich freue mich bis heute, dass er das endlich gelernt hat. Anfangs konnte er dieses Alternativverhalten bei bellenden Hunden nicht zeigen. Mittlerweile klappt das sogar bei „bellenden und knurrenden Gartenzäunen“. Das Tolle daran ist auch, dass er sich so selber aus der Fixierung nimmt, was auch den anderen Hund etwas beruhigt (meiner Meinung nach).

Mittlerweile ist Loki’s Individualdistanz auf wenige Meter geschrumpft. Aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Daher wollen wir im diesen Jahr noch Social Walks ausprobieren und uns Ruhetraining draußen neu in Angriff nehmen.

Und jetzt wollen wir von dir wissen: Was sind deine Trainingsziele für dieses Jahr?

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