Der aufgeregte Hund: Warum man mit einem Spinnerhund anders umgehen muss

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Man kann schon sagen, dass wir mit dem Thema „der aufgeregte Hund“ mittlerweile unsere Blog-Nische gefunden haben. Immer wieder erreichen mich Nachrichten von anderen Hundebesitzern, die in unserem aufgeregten Spinnerhund ihren eigenen Vierbeiner wiedererkennen. Manchmal sprechen mich sogar Leute auf der Straße an und berichten mir, dass ihr Hund ähnlich aufgedreht sei. Dass vor allem andere Labradorbesitzer darunter sind, hätte ich früher nie gedacht. Schließlich gilt der Labrador bei vielen ja als idealer Familienhund mit einem ausgeglichenen und freundlichen Wesen. Und solche Exemplare gibt es wirklich, die zu jeder Zeit super gechillt sind, ich hatte so einen Labbi eine Zeit lang sogar als Büronachbarn (einen schönen Gruß an Räuber an dieser Stelle ;-)).

Oftmals fehlt im Umfeld das Verständnis für die naturell bedingte Aufgeregtheit des Vierbeiners. Viele halten das zappelige Verhalten auch für Ungehorsam und wissen gar nicht, dass der Hund in dem Moment einfach nicht anders kann. Dennoch ist es sehr anstrengend einen aufgeregten Hund zu bändigen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Und frustrierend gleichermaßen.

Lass mich Dir also nachfolgend erzählen, welche Fehler ich bei Loki gemacht habe und welche 4 Tipps uns geholfen haben, mittlerweile einen recht entspannten Alltag zu führen und Problemsituationen erfolgreich zu meistern! 

Was ist Aufregung und wie zeigt sie sich bei Loki?

Gerade nervöse und leicht überreizte Hunde, wie Loki der Labrador, neigen zur Aufregung. Da reichen schon kleinste Auslöser, wie das Klappern einer Hundemarke in der Ferne oder plötzliches Kindergeschrei, dass der Hund in Sekundenschnelle völlig abgelenkt und überdreht ist.

Aufgeregt bei anderen Menschen

Schwarzer Labrador Welpe begrüßt Menschen

Ich habe auf diesem Blog und auf Instagram ja schon ein paar Mal darüber berichtet, wie sich die Aufgeregtheit bei Loki äußert. Schon als Welpe war er mega aufgedreht – da hatte schon die schrille Stimme einer Nachbarin genügt, um ihn so aus der Fassung zu bringen, dass er mir in die Nase zwickte. Monsieur schob Frust, weil er nicht SOFORT zu ihr hin konnte, da ich ihn noch auf dem Arm hatte (damit er keine Treppen laufen muss). Herr Labrador hatte bislang (Gott sei Dank) noch keine schlechten Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht und mag daher so gut wie jeden. Damals trafen wir immer wieder Menschen, die ganz aus dem Häuschen waren, als sie ihn sahen und ihn lautstark animierten sie anzuspringen. Ganz nach dem Motto „mir macht das nichts aus, ich liebe Hunde“. Schön und gut, aber genau so etwas wird bei einem aufgeregten Hund dann zum Problem, sobald er aus dem Welpenalter raus ist. Und die werden ganz schnell groß! Wir haben Wochen gebraucht bis er gelernt hat ruhig an anderen Menschen vorbeizugehen. Jedes Mal habe ich ihn dafür bestätigt und bis heute passe ich auf, dass er niemanden anspringt. Das klappt schon ganz gut, außer bei Hundebegegnungen. Dann neigt er immer noch zum Anspringen, wahrscheinlich vor lauter Freude. Ebenfalls schwierig ist es für ihn, wenn jemand aufgeregt auf ihn einredet. Das steckt ihn dann gleich an und ich muss seine Aufregung gleich unterbinden.

Aufgeregt bei anderen Hunden bis hin zum Leinenfrust

Noch viel mehr als bei Menschen, ist Loki bei anderen Hunden aufgeregt. Der Grundstein dafür wurde, meiner Meinung nach, in unserer damaligen Welpenschule gelegt. Loki hatte in dieser prägenden Zeit gelernt, dass andere Hunde Action und Spaß bedeuten. Natürlich übertrug er das auch in Alltagssituationen und wollte immer zu den Hund, den er gerade gesichtet hatte. Ich  brauche nicht zu erwähnen wie schwierig es ist, solch ein Verhalten wieder aus dem Hund raus zu bekommen. Ursprünglich dachte ich, dass sei einfach nur sein freundliches Naturell und das er sich wirklich riesig über seine Artgenossen freut. Das änderte sich aber, als er in die Pubertät kam. Er war schon immer sehr unterwürfig anderen Hunden gegenüber. Aber seit er in der Pubertät ist, wird er sehr schnell unsicher und ängstlich, wenn er auf andere Hunde trifft. Gleichzeitig ist er aber auch sehr aufgeregt und mit dieser Anspannung kommt er überhaupt nicht klar. Die Folge dieser Kombination aus Aufgeregtheit, Unsicherheit und Hormonüberschuss kann dann schnell Leinenaggression oder wie in Loki’s Fall Leinenfrust, sein.

4 Tipps, wie Du die Aufgeregtheit deines Hundes in den Griff kriegen kannst

Jeder Hund ist anders und nicht jeder Trainingsansatz passt zu jedem Vierbeiner. Probiere daher aus, was am besten zu euch als Mensch-Hund-Team passt.

Bleibe selber entspannt und schalte das Kopfkino aus

Schwarzer Labrador mit Frauchen

Wie die Mitmenschen mit deinem Hund umgehen kannst Du nicht kontrollieren. Wohl aber, wie du darauf reagierst. Daran arbeite ich bis heute: Ruhig zu bleiben, wenn andere (inklusive Loki) es nicht sind. Sobald ich nämlich nervös oder aufgeregt werde, wird er es auch. Man sagt ja immer Hunde spiegeln ihren Menschen und bei Loki trifft das voll und ganz zu (Stichwort Stimmungsübertragung). Daher bemühe ich mich aktiv entspannt und ruhig zu bleiben, was nicht immer einfach war oder besser gesagt ist. Gerade in der Hochphase seines Leinenfrustes hatte ich schon regelrecht Bammel davor gehabt, alleine mit ihm rauszugehen, weil ich quasi nur auf den nächsten „Ausraster“ von ihm gewartet hatte. Deshalb kann ich nur auf diesen Beitrag von Hundekind Abby* verweisen und betonen, wie wichtig das Management des eigenen Kopfkinos ist. Denke ich bei der Sichtung eines anderen Hundes gleich „Ach du Scheiße, jetzt geht das Theater gleich wieder los“, verkrampfe ich mich automatisch und mein Hund ist dank meiner veränderten Körperhaltung gleich alarmiert.

Übe Impulskontrolle und Frustrationstoleranz

Banktraining mit LabradorRituale und Strukturen sind daher für uns wichtig, denn sie helfen uns. Schau dir gerne diesen Beitrag an, wo ich auf die Wichtigkeit von Ruhephasen und Entspannungsmöglichkeiten für aufgeregte Hunde eingehe. Aber zurück zur Struktur: Wir achten schon beim Beginn des Gassiganges darauf, dass Loki ruhig ist und nicht gleich durch die Tür rennt. Stattdessen muss er an der Haustür warten und mit uns kurz Blickkontakt halten. Erst dann kann er mit rausgehen. Manchmal ist er gerade am Anfang des Spazierganges völlig überdreht und aufgeregt. Da hilft es aber ein bisschen das Tempo rauszunehmen und betont langsam zu gehen. Anfangs wird der Hund das vielleicht blöd finden, aber bei Loki hilft das schon ihn daran zu erinnern sich wieder mehr an mir zu orientieren. Generell sind Übungen für die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz bei einem aufgeregten Hund wirklich empfehlenswert. Der Hund lernt mit der Zeit, dass (ruhiges) Abwarten ihn (schneller) zum Ziel führt.

Grenzen setzen (besonders körpersprachlich)

Labrador an der Leine

Generell achte ich die letzten Wochen gezielt darauf ihm Grenzen zu setzen (sowohl drinnen als auch draußen) und das er bei mir mehr abfragt. Dadurch soll er nicht so viele Entscheidungen selber treffen und ist dann nicht so schnell überfordert, da er im Prinzip nur meinen Anweisungen folgen muss. Bevor er aus dem Kofferraum springt soll er mich beispielsweise kurz anschauen und erst auf mein „Ok“ hinausschlüpfen. Genau wie beim Ableinen soll er nicht gleich lospreschen, sondern neben mir sitzen bleiben und erst auf meinen Zeichen in den Freilauf gehen. Dies bringt etwas mehr Ruhe in Situationen rein, die für den Hund vielleicht sehr aufgeregt sind. Hört der Hund nicht, erfährt er von mir eine Korrektur. Dies kann eine verbale, scharf ausgesprochene Warnung sein. Je nach Erregungslevel kann die Korrektur auch körpersprachlich erfolgen, in dem der Hund begrenzt wird (zurückdrängen) oder kurz an der Brust oder Seite angefasst wird. Dies sollte aber nicht aggressiv und gewalttätig erfolgen, sondern ruhig und bestimmt. Die körperliche Korrektur klappt auch sehr gut bei der Leinenführigkeit. Erst auf diese Weise hat Loki schneller gelernt mich nicht zu überholen, als bei anderen Methoden (wie stehen bleiben oder Richtungswechsel).

Grenzen können auch in den eigenen vier Wänden körpersprachlich gesteckt werden. Wir haben beispielsweise eine Wohnküche, die mit Fliesen vom restlichen Teil des Zimmers abgegrenzt ist. Loki soll die Fließen nicht betreten, da ich ihn nicht in der Küche haben möchte (außer auf Einladung). Stehe ich in der Küche und versucht die Grenze überschreiten, dränge ich ihn wortlos aus dem Bereich. Man sollte dies schon recht selbstsicher und bestimmend tun, damit es der aufgeregte Hund auch kapiert.

Kontrollverhalten unterbinden

Loki im Körbchen

Wie ganz viele andere Hunde auch  zählt Loki leider zu denen, die ihre Menschen gerne kontrollieren. Das bedeutet, dass er besonders mir immer und überall hinfolgt. Anfangs fand ich das ehrlich gesagt niedlich und interpretierte das Verhalten so, dass er gerne in meiner Nähe ist. Zum Problem wurde es aber, wenn er deshalb nicht zur Ruhe kam und nicht schlafen konnte. Ganz besonders schwierig ist es für ihn auch, mich in einer anderen Umgebung nicht zu verfolgen. Sobald Herrchen oder Frauchen mal aus dem Zimmer gehen, herrscht bei ihm Alarmstimmung. Daher schicke ich ihn schon Zuhause häufiger bewusst ins sein Körbchen, um dieses Kontrollverhalten zu unterbinden. Ich muss dafür einen langen Atem haben da Loki auch ein Hund ist, der Grenzen immer wieder hinterfragt. Sobald er das seinen Platz unaufgefordert verlässt, wird er kommentarlos und körpersprachlich zurückgeschickt. Hartnäckigkeit seitens des Halters zahlt sich hier echt aus.

Alternativverhalten beibringen

Loki mit Beagle Wilma

Zu Beginn hatte ich erwähnt, dass Loki besonders bei anderen Hunden schnell aufgeregt wird und im schlimmsten Fall zu Leinenfrust neigt. Ich habe ihm jetzt über Monate ein Alternativverhalten antrainiert, welches ich aus der Trainingsmethode B.A.T. (Behavior-Adjustment-Training)* abgeleitet habe. Dieser Trainingsansatz von Grisha Stewart soll eigentlich Hunden helfen, die aggressiv auf ihre Artgenossen reagieren. Loki hat mittlerweile die Sichtung eines anderen Hundes damit verknüpft, dass er von mir etwas ganz Leckeres bekommt. Sieht er einen anderen Hund und bleibt er dabei ruhig, markere ich das Verhalten (mit einem Belohnungswort) und in der Regel schafft er es den anderen Hund nicht mehr zu fixieren und sich stattdessen mir zu zu wenden. Die Belohnung lasse ich dabei mit dem Befehl „Such“ auf den Boden fallen, so dass er danach schnüffeln muss. Das beruhigt wiederum seine Nerven und er hat ein Ventil für die aufgestaute Aufgeregtheit. Wichtig ist es auch, dass die Leine so locker wie möglich bleibt. Clickern habe ich in diesem Zusammenhang auch versucht, aber verbal treffe ich das Timing einfach besser als mit einem Clicker, wenn ich gleichzeitig die Leine halten muss.

Die Methode klappt für ihn besonders gut, wenn der Hund einige Meter entfernt ist. Je näher der andere Hund kommt, desto schwieriger wird es für Loki dieses Alternativverhalten auszuführen. Deshalb wollen wir dieses Jahr mal Social Walks ausprobieren. Bei diesen arrangierten Spaziergängen mit 2 bis maximal vier anderen Hund-Mensch-Teams lernt der Hund sich in der Umgebung anderer Vierbeiner zu entspannen und das es an der Leine keinen Kontakt gibt. Soweit zumindest unser Plan.

Und jetzt wollen wir von dir wissen: Hast du noch Tipps für den Umgang mit einem aufgeregten Hund?

 

 

 

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