Körperpflege beim Hund: Krallen- und Pfotenpflege leicht gemacht [Teil 2]

Fotocollage Körperpflege beim Hund Krallenpflege

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Im ersten Teil unserer Körperpflegeserie hast Du gelernt, wie Du Deinem erwachsenen Hund bzw. Welpen beibringen sich von Dir baden zu lassen. In der Fortsetzung der Serie dreht sich heute alles um die Pfoten- und Krallenpflege. Ein äußerst wichtiges Thema, was einigen Hundebesitzern allerdings (nicht zu Unrecht) ins Schwitzen bringt.

Warum Du die Krallen Deines Hundes kürzen solltest

Einige Hundehalter sind der Meinung, dass sich die Krallen ihres Lieblings ganz von alleine ablaufen. Das trifft aber nicht auf jeden Hund zu. Hunde, die zu wenig Auslauf haben oder hauptsächlich auf weichem Untergrund laufen (wie z.B. auf Sand oder Waldboden), haben meist mit zu langen Krallen zu kämpfen. Es gibt aber auch Hunde, so wie Loki, bei denen sich nur die Krallen der Hinterläufe etwas ablaufen und die Krallen vorne fast gar nicht. Und das kann irgendwann gefährlich werden: Hat der Hund nämlich zu lange Krallen kann dies zu Verformungen der Zehe(n) und letztendlich gravierenden Haltungsschäden führen. Außerdem besteht die Gefahr, dass eine zu lange Kralle abbricht bzw. ab/einreißt.

Neben den „normalen“ Krallen gibt es noch die sogenannte Wolfskralle (auch Afterkralle oder Afterzehe genannt). Diese sitzt etwas höher auf der Innenseite der Beine und hat somit keinen Bodenkontakt. Wird diese Kralle nicht gekürzt, wächst sie in einem Bogen und irgendwann ins Bein rein. Einige Tierärzte bieten daher an die Kralle operativ entfernen zu lassen. Es reicht aber auch diese regelmäßig zu kürzen.

So oder so muss Frauchen oder Herrchen ran und die Kralle(n) regelmäßig kürzen. Damit diese Aktion aber nicht in einem Blutbad endet, solltest Du folgende Tipps beachten.

Berührungen an Pfoten ertragen lernen

Viele Hundehalter machen den Fehler sich gleich auf die Krallen zu stürzen und diese kürzen zu wollen. Bei manchen Hunden mag das funktionieren. Den meisten Vierbeiner ist es jedoch oftmals unangenehm an den Pfoten berührt zu werden. Etwas ganz anderes ist es dann noch, wenn der Mensch die Pfote für längere Zeit festhalten will und dann mit diverser Gerätschaft anrückt.

Daher sollte das Erste, was Du Deinem Hund bei der Krallenpflege beibringst, die Berührung seiner Pfoten sein. Kann Dein Hund schon Pfötchen geben, ist das natürlich von Vorteil. Lässt Dein Hund die Berührung aller Pfoten zu, kannst Du diese im zweiten Schritt vorsichtig in die Hand nehmen und festhalten. Anschließend geht es nur darum die Dauer des Haltens zu verlängern. Der Hund sollte außerdem lernen, dass Du dabei auch mal seine Krallen berührst. Diese Übungen kannst Du wunderbar positiv mit dem Clicker aufbauen.

Utensilien zum Kürzen

 

Krallenschere Krallenschleifer Pfotenbalsam

Toleriert der Hund durch das Training die (anhaltende) Berührung seiner Pfoten und Krallen, kannst Du Dich ans Kürzen der Krallen machen. Dafür stehen Dir verschiedene „Werkzeuge“ und Methoden zur Verfügung:

Die (klassiche) Krallenschere

 

Krallenschere in Lila

Die Krallenschere ist bei vielen Hundebesitzern bekannt und das Mittel der ersten Wahl, wenn die Krallenpflege ansteht. Allerdings ist diese Methode der Krallenkürzung auch mit die Gefährlichste. Warum? Die Kralle besteht unter anderem aus recht festem Krallenhorn, was mit unserem Nagel vergleichbar ist. Innerhalb der Kralle verläuft jedoch das sogenannte „Leben“, ein Begriff für die sich dort sammelnden Blut- und Nervengefäße. Wird dieses Leben verletzt tut dies dem Hund nicht nur unwahrscheinlich weh, sondern es blutet auch sehr stark. Daher ist es wichtig nicht zu viel auf einmal abzuschneiden und sich stattdessen lieber Millimeter für Millimeter vorzuarbeiten.

Bei Hunden mit hellen Krallen kannst Du das Leben mit bloßem Auge sehen. Dieser Teil der Kralle ist rosafarben und verläuft bei vielen Vierbeiner fast bis zur Krallenspitze. Davor gibt es dann eine weiße Schicht, die vorsichtig abgeschnitten werden kann. Bei schwarzen Krallen ist es dagegen schon erheblich schwerer (bis unmöglich) das Leben mit bloßem Auge zu sehen. Bei einigen Hunden hilft es mit einer Taschenlampe unter die Kralle zu leuchten. Bei Loki funktioniert dieser Trick allerdings nicht. Im Internet gibt es noch andere „Tipps“, die aber mit Vorsichtig zu genießen sind. Im Zweifel solltest Du pro Sitzung immer nur ein paar Millimeter abschneiden.

Solltest Du Dich anfangs gar nicht rantrauen kannst Du Dir die richtige Technik auch gerne beim Tierarzt oder Hundefriseur Deines Vertrauens zeigen lassen. Die Hundekralle sollte übrigens nie nach oben hin, sondern nach unten hin in einem gewissen Winkel geschnitten werden. Eine Anleitung für die richtige Technik beim Krallenschneiden findest Du hier.

Solltest Du doch einmal zu tief geschnitten haben und es blutet stark, hilft ein blutstillendes Mittel, wie ein Alaunstift oder Kaliumpermanganat. In unserem Erste-Hilfe-Set war übrigens so etwas schon dabei. Alternativ soll auch ein Stück Seife als Blutstiller funktionieren. Dieses muss aber für einige Minuten an die verletzte Kralle gehalten werden.

Alternativen: Krallenfeile und Guillotinenschere

Zugegeben wir haben keine besonders tolle Erfahrungen mit der Krallenschere gemacht. Die ersten Male lief alles super und Loki hat auch still gehalten. Dann habe ich ihm aus Versehen ein paar Mal mit der Schere die Kralle gequetscht und Herr Labrador hat sich wochenlang nicht getraut mir die Pfote zu geben. Und ich hatte Angst ihm mit der Schere wieder weh zu tun.

Daher musste eine Alternative her: Zuerst haben wir es mit einer Krallenpfeile probiert. Bei relativ weichen Krallen funktioniert wohl auch eine grobkörnige Feile aus der Drogerie. Wir hatten eine speziell für Hunde besorgt, aber Loki war kein Fan davon. Außerdem konnte ich damit die Krallen kaum kürzen, weil sein Horn einfach zu hart ist. Dann gibt es noch diese Guillotinenscheren (ein geschlossener Metallring durch den die Kralle geschoben und dann gekürzt wird). Mit denen haben wir aber keine Erfahrung gemacht.

Der Krallenschleifer

 

Krallenschleifer für Hunde

Dann kam der „Gamechanger“, der Krallenschleifer oder auch Dremel genannt. Dieses Utensil gibt es in verschiedenen Ausführungen. Wir haben ein relativ preiswertes und batteriebetriebenes. Mir waren beim Kauf zwei Dinge wichtig: Dass es nicht zu laut ist und das ich damit auch wirklich etwas vom Krallenhorn runter bekomme. Beide Anforderungen erfüllt unser Krallenschleifer bis heute. Doch auch bei diesem Gerät bedarf es etwas Training und jede Menge Geduld, damit der Hund das Kürzen seiner Krallen halbwegs erträgt. Wie Du das schaffst erkläre ich dir jetzt!

So setzt Du den Krallenschleifer richtig ein

 

Krallenschleifer im Einsatz Labrador

Voraussetzung für diese Methode ist ebenfalls das oben beschriebene Halten bzw. Berühren der Pfoten. Uns hat übrigens die Anleitung von dem Youtube-Kanal von Laura Luck sehr weitergeholfen. Wie Du in dem Video siehst kannst Du das (je nach Größe Deines Hundes) im Sitzen machen, während er vor Dir sitzt. Wir dagegen machen es so, dass sich Loki hinlegt und ich setze mich zu ihm auf den Boden. Probiere verschiedene Haltungen aus bis Du die richtige für Dich und Deinen Hund gefunden hast.

Step 1: Hund auf das Geräusch des Krallenschleifers konditionieren

Ganz am Anfang habe ich Loki nur den Krallenschleifer zum Beschnuppern hingehalten. Dann habe ich das Gerät eingeschaltet und ihm sofort ein unwiderstehliches Leckerli gegeben. Dieses kriegt er ausschließlich für die Krallenpflege und es ist somit etwas ganz Besonderes. Herr Labrador kriegt dann noch ein paar Naschereien solange das Gerät an ist. Wird es ausgeschaltet gibt es auch keine Leckerlis mehr. Somit verknüpft der Hund das ungewöhnliche Geräusch mit etwas Positivem.

Step 2: Hund an die Berührung mit dem Schleifer gewöhnen

Dann kommt der schwierige Teil. Du führst den eingeschalteten Schleifer vorsichtig in Richtung der Kralle während Du die Pfote festhältst. Allerdings schleifst Du diese noch nicht. Bleibt Dein Hund dabei ruhig solltest Du ihn mit einem Leckerli belohnen. Anschließend kannst Du vorsichtig die Kralle zwischen zwei Fingern festhalten und noch näher mit dem Gerät rücken.

Alles kein Problem? Dann versuche mal für eine Sekunde zu schleifen. Dein Hund wird höchstwahrscheinlich aus Reflex seine Pfote zurückziehen. Das ist überhaupt nicht schlimm! Er wird zu Beginn trotzdem belohnt um seine Motivation nicht zu verlieren. An das Schleifgefühl müssen sich die meisten Hunde erst noch gewöhnen. Daher fange erst mit einer Kralle pro Sitzung an. Ziel ist es nur den Hund daran zu gewöhnen.

Übrigens ist es möglich, dass Du während des Schleifens eine Art „Staubwolke“ bildet, die etwas verbrannt riecht. Das ist kein Grund zur Besorgnis und völlig normal, solange Du den Schleifer nicht zu lange ans Horn hältst.

Step 3: (Mehrere) Krallen im Tempo des Hundes kürzen

Es können mehrere Wochen vergehen bis Dein Hund soweit ist, dass Du ihm eine oder mehrere Krallen mit dem Schleifer richtig abschleifen kannst. Setze ihn und dich dann nicht unter Druck und gehe mit seinem Tempo. Wichtig ist es regelmäßig zu trainieren (am besten mehrmals wöchentlich). Zuerst solltest Du Dich darauf konzentrieren, dass der Hund lernt alle Krallen mit dem Schleifer berühren zu lassen. Ich mache das so, dass Loki nach jeder geschliffenen Kralle ein Leckerli bekommt.

Beim Schleifen solltest Du einen ähnlichen Winkel wie beim Schneiden einhalten. Indem Du mit dem Schleifer vorsichtig an der Kante des Horns fährst, kannst Du dieses Stück für Stück abtragen. Die Gefahr das Leben dabei zu erwischen ist sehr gering. Trotzdem solltest Du den Schleifer immer nur für ein paar Sekunden an das Horn halten und nicht für länger. Sonst drohen Verbrennungen! Arbeite Dich stattdessen Stück für Stück voran.

Die Pfotenpflege

 

Pfotenpflege Pfotenbalsam

Unsere Krallenroutine schließen wir immer mit der Pfotenpflege ab. Die Pflege der Pfoten ist besonders im Winter extrem wichtig, da die Kälte und das Streusalz die empfindlichen Pfoten stark beanspruchen. Da Loki zu sehr trockenen und rissigen Pfoten neigt, betreiben wir die Pfotenpflege das ganze Jahr über. Hierbei massiere ich eine spezielle Creme in seine Pfotenballen ein. Manche verwenden auch Vaseline oder Ähnliches, aber das kann unschöne Fettflecken auf den Boden hinterlassen.

Und jetzt wollen wir von Dir wissen: Kürzt Du Deinem Hund regelmäßig die Krallen?

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