Aufgeregter Labrador: Wenn Hunde zu schnell aufdrehen [5 Tipps für mehr Ruhe]

Aufgeregter Hund Fotocollage

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Rückblick auf Sommer 2016: Der kleine schwarze Welpe zog bei uns ein und wir konnten ihm gefühlt jede Sekunde beim Wachsen zusehen. Als Ersthundehalter hatten wir nur eine Ahnung davon, was auf uns die nächste Zeit alles zukommen wird. Eine gefühlte Ewigkeit vorher hatte ich mich mit Büchern, Videos, Erfahrungsberichten und Bürohunden auf Loki vorbereitet.

Dabei entstand in meinem Kopf ein idealistisches Bild vom Labrador: Ein recht freundlicher, unkomplizierter und apportierfreudiger Schwimmer. Ein Hund, der sich ideal als Weggefährte und Familienhund machen wird. Immerhin war der liebe Räuber, ein ehemaliger Bürohund und ebenfalls ein Labbi, der entspannteste Hund, den ich bis dato getroffen hatte. Meine Hoffnung war, dass Loki zumindest ähnlich sein wird.

Denkste! Loki ist das ganze Gegenteil, was zum Einen seinem Alter und zum Anderen seinem Naturell geschuldet ist. Herr Labrador ist ein mega (und ich meine wirklich mega) aufgeregter kleiner Kerl, der in Sekundenbruchteilen komplett hoch dreht. Viele denken sich jetzt bestimmt, dass es schlimmeres gibt als einen aufgeregten Hund. Natürlich sind Angsthunde oder „aggressive“ Hunde ein anderes Kaliber. Aber „einfach“ ist das Zusammenleben mit einem aufgeregten Labrador trotzdem nicht und es gibt einiges dabei zu beachten.

Der aufgeregte Welpe

Aufgeregter Hundewelpe Loki

 

Das erste Mal, wo mir seine Aufgeregtheit richtig bewusst wurde, war schon in seiner ersten Woche bei uns. Ich trug ihn auf dem Arm nach draußen als gerade eine Nachbarin zur Tür reinkam und große Augen machte. Ihre Stimme überschlug sich vor lauter Entzückung als sie Loki sah und prompt zuckte ihre Hand zum Streicheln in unsere Richtung. Der kleine Mann war völlig außer sich über eine solche Begrüßung, so dass er mir vor Aufregung in die Nase biss. Klingt zwar lustig, ist aber äußerst schmerzhaft bei den spitzen Welpenzähnchen. Solche und ähnliche Erlebnisse mit Fremden führten dazu, dass der kleine Mann furchtbar aufgeregt draußen war/ist.

 

Zuerst dachte ich, dass wird schon vorbeigehen sobald er mit seiner neuen Umgebung klar kommt. Realität war aber, dass ich ihm aktiv abtrainieren musste bei anderen Menschen auszuflippen. Heute ignoriert er Passanten weitestgehend und ich kann mit ihm und Nachbarn auch ohne Probleme Fahrstuhl fahren. Neben viel positiver Verstärkung hat uns auch geholfen, dass die Leute im Laufe der Zeit Respekt vor seiner Größe bekamen.

 

Daueraufgeregt bei (Familien)besuch

 

Labrador auf dem Rücken liegend

 

Etwas anderes ist es, wenn wir Besuch bekommen oder die Familie in der alten Heimat besuchen. Im ersten Fall kriegt er sich nach etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde wieder ein. Bei der zweiten Sache sieht es allerdings anders aus: Da ist die Freude die erste viertel Stunde wirklich grenzenlos. Er weiß, dass er niemanden anspringen soll und schmeißt sich daher mit Vorliebe vor die Füße seiner Familienmitglieder (ein erlerntes Alternativverhalten). Die Augen sind dabei weit aufgerissen und sein Schwanz wedelt aufgeregt hin und her. Oftmals fiept Loki dazu und leckt die dargebotenen Hände ausgiebig ab. Ist die Aufregung besonders groß neigt Loki auch immer noch dazu, Hände und Arme in seinen Fang zu nehmen. Dieses Verhalten ist wirklich schwierig ihm abzutrainieren. Er schnappt dann nicht, sondern will denjenigen nur festhalten. Schön ist es aber trotzdem nicht.

 

Bleiben wir (wie vergangenes Wochenende) gleich für mehrere Tage in der Heimat, hält seine Aufgeregtheit an. Die ersten zwei Tage ist es äußerst schwierig ihn zum Schlafen zu bewegen. Er ist immer in Alarmstimmung und rennt jedem hinterher. Deckenübungen (dazu unten mehr) sind fast unmöglich, da er sich kaum konzentrieren kann. Das zeigt sich natürlich auch auf Gassigängen, die ohnehin schon Pubertätsbedingt schwierig sind. Dieses Theater zerrt nicht nur an unseren Nerven, sondern auch an denen unserer Familie.

 

Impulsive Hundebegegnungen

 

Aufgeregter Labrador und Beagle auf Wiese

 

Natürlich ist Loki besonders Hunden gegenüber super aufgeregter Labrador. Das war im Welpenalter aufgrund der aufregenden Welpenschule richtig schlimm. Dank intensivem Training ist es mit dem Leinenfrust inzwischen etwas besser geworden. Aber trotzdem ist unser Spinner mega aufgeregt, wenn es zum Hundetreff kommt. Besonders früher überspringt er das höfliche Beschnuppern und macht gleich impulsiv eine Spielaufforderung. Den meisten Hunden steht dann „WTF?!“ auf der Stirn geschrieben und sie finden Loki’s spielerisches Vorpreschen auch äußerst befremdlich. In der Hundewelt wird das als unhöfliches Flegelverhalten gewertet, weshalb er ab und zu auch von anderen Hunden zurechtgewiesen wird. Da muss er einfach noch lernen die Grenzen und Individualdistanz des jeweiligen Hundes zu akzeptieren.

 

Inzwischen hat sich das Verhalten auch gebessert und er fällt nur ab und zu in alte Muster zurück. Kommt ein anderer Hund legt er sich hin und wartet ab, anstatt vor zu preschen. Nach einem kurzen Beschnuppern (wo man merkt, dass es ihm schwer fällt sich zurückzuhalten) wird dann auch zum Spielen eingeladen.

 

Entspannung statt Überlastung

 

Schlafender Labrador im Körbchen

 

Seitdem wir Loki kennen ist er ein aufgeregter Hund und das hat sich im Laufe der letzten 15 Monate auch kaum gebessert. Anfangs dachte ich, es würde daran liegen, dass er zu wenig ausgelastet ist. Dem ist aber nicht so, wie ich bei der bothshunde-Entspannungschallenge vor kurzem gelernt habe. Auch Sarah hat einen sogenannten Zappelhund, der ständig überreizt ist und schnell aufdreht. Früher habe ich ehrlich gesagt gedacht, solche Hunde seien die Ausnahme. Ich wurde aber in der dazugehörigen Facebookgruppe eines Besseren belehrt. Neben Sarah’s Tipps habe ich auch von unseren letzten beiden Hundetrainerinnen einige Empfehlungen mit auf dem Weg bekommen, die ich mittlerweile fest in unseren Alltag integriert habe.

 

Und das kannst Du tun, wenn Dein Hund zu aufgeregt ist

 

Infografik Tipps für mehr Ruhe bei aufgeregten Hunden

 

1. Ruhezeiten ausweiten

 

Ein aufgeregter Hund braucht mehr Ruhe. Unsere Morgen- und Abendrunde haben wir daher um fast die Hälfte der Zeit reduziert. Die lange Mittagsrunde (und ab und zu eine kurze Nachmittagsrunde) haben wir aber beibehalten. Spielsachen liegen bei uns nicht mehr frei rum. Wir beginnen und beenden die Spieleinheiten, so dass Loki „gezwungen“ ist mehr zu ruhen. Ich hatte zuerst Angst, dass er sich langweilt. Aber mittlerweile merke ich deutlich, wie gerne er sich für seine Schläfchen zurückzieht.

 

2. Mehr Nasenarbeit integrieren

 

In den letzten Wochen haben wir verstärkt Nasenarbeit in unseren Alltag integriert. Nach der kürzeren Morgen- und Abendrunde verstecke ich in der restlichen Wohnung den Rest seines Futters, während Loki in einem anderen Zimmer warten muss. Das schult gleichzeitig auch die Nase und Impulskontrolle. Außerdem liebt es Herr Labrador seinen Dummy zu suchen und ist darin schon richtig gut geworden. Dummyarbeit ist für einen Retriever ja eh schon das Größte und ideal zur Auslastung. Da stecken wir aber noch in den Anfängen.

 

3. Deckentraining als bewusste Ruheübung einführen

 

Sich mal eine bewusste Auszeit zu nehmen ist nicht nur für den Hund förderlich. Ideal ist hierfür ein Deckentraining, was gezielt aufgebaut werden muss. Damit das klappt sollte Dein Hund das Grundkommando „Platz“ kennen. Ich verwende dafür keinen Clicker und werfe Loki im Laufe der Übung immer seltener Leckerlis auf die Decke, während er darauf liegt. Dabei achte ich genau auf Anzeichen, dass er sich weiter entspannt. Irgendwann verknüpft der Hund dann die Decke mit Entspannung.

 

4. Entspannende Musik und Düfte einsetzen

 

Begleitend zum Deckentraining setzen wir diese spezielle Entspannungsmusik ein, die wir auf Youtube gefunden haben. Das habe ich mit ihm fast täglich über Wochen aufgebaut. Mittlerweile zeigt sie auch Wirkung: Als er am Abend des zweiten Tages unseres letzten Heimaturlaubes überhaupt nicht mehr klar kam, habe ich diese Musik auf dem Handy abgespielt und der Hund hat innerhalb von fünf Minuten geschlafen! Es gibt auch Hundehalter, die ätherische Öle wie Lavendel einsetzen. Unsere eine Trainerin hatte sogar vorgeschlagen ein Halstuch damit zu beträufeln und es ihm umzubinden. Da Loki aber kein Fan von sowas ist, haben wir es gar nicht erst probiert.

 

5. Gesundheitliche Ursachen ausschließen lassen

 

Natürlich spielen die Ernährung und Gesundheit eine große Rolle, wenn der Hund aufregt ist. Beim Hundekind Abby hat eine Schilddrüsenerkrankung für eine ähnliche Ruhelosigkeit gesorgt. Im Zweifelsfall kannst Du Deinen Hund gezielt nach sowas untersuchen lassen.

 

Warum wir es mit dem Hormonchip probieren wollen

 

Schwarzer Labrador am Wegesrand

 

Trotz dieser Tipps und Umstellungen ist Loki noch meilenweit davon entfernt ein entspannter Hund zu werden. Das hängt auch mit seinem Hormonhaushalt zusammen, der ihn maßlos draußen überfordert. Daher haben wir uns auf Anraten unserer Tierärztin entschieden einen Hormonchip auszuprobieren. Dieser wird ihm am 2.8. eingesetzt und soll ein halbes Jahr „halten“. In dieser Zeit wird sich unter anderem sein Testosteronspiegel senken und seine Hoden werden etwas schrumpfen. Mit solch einem Chip kannst Du vorab testen, wie sich eine Kastration auf Deinen Hund auswirken würde ohne das er gleich unter’s Messer muss. Wir sind gespannt, was die nächsten Monate mit dem Chip bringen werden!

Und jetzt wollen wir von Dir wissen: Hast Du auch einen aufgeregten Hund?

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