Wenn der eigene Hund angegriffen wird

Labrador Loki Hund auf Wiese

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Schon als Welpe war Loki ein Hund, der den Kontakt zu anderen gesucht hat. Egal ob zu Mensch oder Hund. Doch das nicht alle Vierbeiner spielen wollen oder gar aggressiv sein können, musste unser Kleiner leider auf die harte Tour feststellen. Mit fast fünf Monaten wurde er nämlich von einem American Staffordshire Terrier gebissen – und er hatte dabei verdammt viel Glück gehabt.

Unachtsame Halter und angespannte Hunde

Loki und S., der American Staffordshire Terrier, waren keine Unbekannten. Das erste Mal trafen sie aufeinander, da war Loki gerade einmal 9 Wochen alt. Danach folgten ein paar Begegnungen, meistens aus der Ferne. S. gehörte einem Pärchen in unserem Alter. Meistens sah man ihn mit seinem Frauchen, die beim Gassi gehen fast immer telefonierte oder zumindest den Blick auf dem Handy hatte. Der Hund ging oftmals Meter weit vor. An jenem Tag war S. mit beiden Haltern unterwegs. Loki und ich waren gerade auf dem Heimweg und mussten nur noch eine stark befahrene Straße überqueren um zu unserer Haustür zu gelangen. Als wir warteten kamen die beiden mit ihrem American Staffordshire Terrier dazu.

Mir fiel schon vorab auf, dass S. uns sehr fixierte und eine sehr angespannte Körperhaltung hatte. Anstatt weiterzugehen hielten die beiden an, so dass sich die Hunde begrüßen konnten. Man merkte gleich, dass S. immer noch sehr angespannt war. Seine Besitzer hingegen taten dies nur mit einem lapidaren Kommentar ab („Der checkt nur die Lage ab“). Doch gerade als wir uns verabschiedeten und die Straße überqueren wollten, sprang S. Loki ohne Vorwarnung an und biss zu.

Was tun, wenn sich ein Hund festgebissen hat?

Da ich meinen Hund instinktiv zurückgezogen hatte, erwischte der American Staffordshire Terrier meinen Labrador hauptsächlich am Ohr und etwas am Kopf anstatt an seiner Kehle. Es folgten die schrecklichsten Minuten, die sich wie Stunden anfühlten. S. hatte sich komplett verbissen und kein „Aus“ der ebenso ratlosen Besitzer brachte etwas. Loki schrie wie ich ihn noch nie gehört hatte und verlor aus Todesangst sogar die Kontrolle über seinen Darm. Die Schreie lockten viele Passanten an und einige riefen Ratschläge zu. Einer meinte, dass man S. „ein paar auf’s Maul“ geben sollte. So fing das Herrchen von S. an seinen Hund mit seinen Fäusten zu bearbeiten. Dies stellte sich als fatal heraus, da der Staff noch mehr zubiss. Um es abzukürzen: Erst als S. die Nase zugehalten wurde, lies er von Loki ab. Er versuchte zwar ein zweites Mal nach zu beißen aber glücklicherweise wurde er dieses Mal zurückgehalten. Ich ließ mir die Daten der Halter geben und fuhr mit Loki zum Tierarzt. Der arme Kerl war ein blutendes, zitterndes Häufchen Elend.

Wieder Vertrauen in andere Hunde fassen

 

Labrador Hund Ohr

Glücklicherweise blieben nur ein Loch im Ohr (was man kaum sieht) sowie eine Narbe hinterm Ohr zurück. Der Tierarzt gab ihm noch eine Tablette, welches das Trauma des Erlebten schmälern sollte. Ich machte mir große Sorgen, wie sich diese Erfahrungen auf ihn und sein Verhältnis zu anderen Hunden auswirken würde. Doch Loki will nach wie vor zu allen Hunden und spielen – auch zu Listenhunden. Ich dagegen hatte/habe mehr Schwierigkeiten das Erlebte hinter mir zu lassen. Direkt nach dem Vorfall hatte ich große Angst davor mit Loki alleine rauszugehen und vor allem S. zu treffen. Schließlich wohnte dieser nur eine Querstraße von unserem ehemaligen Zuhause entfernt. Ich habe mehrere Monate gebraucht bis ich größtenteils angstfrei in neue Hundebegegnung gehen konnte. Doch das Erlebte werde ich wohl nie vergessen können. Trotzdem bin ich heilfroh, dass das Ganze relativ glimpflich ausgegangen ist.

„Es gibt keine Kampfhunde, sondern nur Kampfhund-Halter“

Abschließend möchte ich etwas zum Thema „Listenhunde“ sagen, die von den Medien oftmals als „Kampfhunde“ bezeichnet werden: Meiner Meinung nach gibt es keine Hunde, die „bösartig“ auf die Welt gekommen sind. Aggressiv oder „bösartig“ werden sie erst durch den Halter bzw. Menschen und  durch das was sie erlebt haben. Dies gilt auch für Rassen, die als Listenhunde bezeichnet werden. Oftmals liest man von Angriffen durch solche Hunde auf Menschen oder andere Tiere. Doch das bedeutet nicht, dass jeder Listenhund pauschal gefährlich ist. Einige Rassen, die unter diesem Begriff zusammengefasst wurden, wurden zwar ursprünglich für (Hunde)kämpfe gezüchtet.

Doch letztendlich entscheidet die Haltung darüber, ob ein Hund gefährlich ist/sein wird oder nicht. Ein schönes Beispiel ist der Youtube-Hundekanal „Vito Amalia“, wo Lui und Paulina über den richtigen Umgang mit Rassen wie Pittbulls sprechen. Besonders passend zum Thema finde ich das Zitat von Lui: „Es gibt keine Kampfhunde, sondern nur Kampfhund-Halter“.

Viele Besitzer eines Listenhundes scheinen sich nämlich nicht im Klaren darüber zu sein, wie man mit einem Listenhund umgeht. Leider sehen einige (ausschließlich) Gewalt als Erziehungsmethode an. Doch dann braucht man sich über (tödliche) Beißattacken, wie es der Hund der Bloggerin Fanfarella leider erleben musste, nicht zu wundern. Daher mein Appell an Dich: Informiere Dich über die Rasse Deines Hundes und erfülle seine geistigen sowie körperlichen Bedürfnisse. Und das OHNE Gewalt. Kommst Du an irgendeinem Punkt nicht weiter, dann hole Dir lieber einen kompetenten und seriösen Hundetrainer dazu! 

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